Ärzte helfen Ärzten

Es ist tatsächlich schwer, als substanzabhängiger Arzt in Deutschland Hilfe zu bekommen!

  • Während es generell für suchtkranke Menschen eine Fülle von Hilfsangeboten gibt, sieht die Situation für einen vergleichbar abhängigen Arzt oder Tierarzt komplett anders aus. Für einen mitten im Berufsleben stehenden Arzt ist es ungemein schwer, Hilfe zu finden. Und noch schwerer ist es, die Hilfe mit allen sich ergebenden Konsequenzen dann auch anzunehmen.
  • Zunächst einmal bedeutet es das Überwinden einer riesige Hürde, sich seine Sucht-Krankheit einzugestehen und sich in der Not seiner Abhängigkeit erkennen zu geben. Über den Verlust der gesellschaftlichen Stellung und der privilegierten Arztrolle hinaus stehen mit dem Entzug der Approbation auch noch rechtliche Konsequenzen, finanzieller Ruin und möglicherweise eine familiäre Tragödie vor Augen. Und all das, nachdem man jahrelang rund um die Uhr im Einsatz war und seine persönlichen Interessen dem Dienst an seinen Patienten untergeordnet hat. Auch ist die Suchterkrankung ja nicht Folge eines ausschweifenden, spaßbetonten Lebensstils, sondern meist das Resultat jahrelanger Überlastung im Arztberuf, der stets pflichtbewusst an erster Stelle gestanden hat.
  • Die Aussicht auf den Zusammenbruch all dessen, was über Jahre hart erarbeitet wurde, und die Angst vor dem kompletten Gesichtsverlust können tatsächlich geradezu lähmend wirken.
  • Der substanzabhängige Arzt ist bis heute weitestgehend ein Tabuthema und dennoch für geschätzte 6-8 % der Ärzteschaft bittere Realität. Da verständlicherweise kein verlässliches Zahlenmaterial verfügbar ist - die Bundesärztekammer spricht von 25.000 betroffenen Ärzten, hinzu kommen Zahnärzte, Tierärzte und das medizinische Personal, - muss jedoch mit einer weitaus höheren Anzahl gerechnet werden.
  • Die Situation bedeutet nicht nur für den Abhängigen große Not, sondern auch sein gesamtes Umfeld lebt in oft kaum erträglicher Anspannung, Hilf- und zunehmender Hoffnungslosigkeit. Auch die behandelnden oder ins Vertrauen gezogenen Ärzte und Therapeuten sehen sich vielfach mit einer nicht beherrschbaren Situation konfrontiert. Den wenigsten ist die spezielle Problematik suchtkranker Kolleg/en/innen bekannt, so dass es im Umgang mit ihnen nicht selten an Professionalität fehlt. Im schlechtesten Fall gehören diese Personen neben Familie und Freunden zu den wenigen Mitwissern, die die Betroffene / den Betroffenen tatkräftig darin unterstützen, die gesamte Situation zu verbergen und die äußere Fassade noch möglichst lange aufrecht zu erhalten. Menschliche und wirtschaftliche Katastrophen sowie überdurchschnittlich hohe Suizidzahlen unter suchtkranken Ärzt/en/innen sind zu oft die Folgen.
  • Das weitgehend unerkannte Ausmaß dieser im Verborgenen gehaltenen Not wird auch als "stille Sucht" bezeichnet, wenn Medikamentenabhängigkeit besteht. Natürlich sind ebenso von Alkohol und/oder von illegalen Substanzen Abhängige unter den Betroffenen.

  • Auf Grund eigener Erfahrungen mit der Sucht wissen wir sehr genau, was es bedeutet, als substanzabhängiger Arzt innerhalb der Ärzteschaft bestehen zu müssen. Wir kennen die Vorbehalte betroffener Kollegen, Ihre Sorge darum, was für Sie beruflich auf dem Spiel steht und die daraus resultierenden Ängste, sich anzuvertrauen. Unser Anliegen ist es deshalb, als Ärzte und ehemals Betroffene nicht länger zu schweigen und die Augen nicht weiter vor dieser Not zu verschließen!

    Wir möchten helfen und informieren.

  • In einer Art Brückenfunktion wollen wir zwischen substanzabhängigen Menschen und den derzeit vorhandenen Hilfs- und Therapieangeboten stehen. "Ärzte helfen Ärzten" und deren Angehörigen - das bedeutet, wir stehen Ihnen mit Rat und Hilfe zur Seite, aus der Position eines mit der Problematik vertrauten und daher kompetenten und empathischen Partners. Die ASA-Hilfe bietet Ihnen die Möglichkeit einer anonymen Kontaktaufnahme, um Informationen, Hoffnung und Unterstützung zu bekommen.
  • Informations- und Aufklärungsbedarf besteht für alle angehenden Ärzte während ihres Medizinstudiums in Form von Prävention bzw. bereits Frühintervention! Die Thematisierung von Substanzmissbrauch und -abhängigkeit unter Kolleg/en/innen, aber auch die Möglichkeit der eigenen Suchterkrankung sollte zum Wissen jedes Arztes dazu gehören.
    Unser Anliegen, auch hierzu vermehrt beizutragen, bildet die zweite Säule unserer Arbeit.
    Wir wollen uns dafür einsetzen, dass der 'Erkrankte Arzt' künftig Lehrinhalt des Medizinstudiums wird. Die besondere Verantwortung der Ärztin / des Arztes in Bezug auf die eigene Gesundheit und eben auch die der Kollegen/innen, kann nur wirksam wahrnehmen, wer das spezifische Problemfeld des 'Arztes als Patient' überhaupt kennt! Wir sehen dringenden Bedarf an entsprechenden Lehreinheiten zum Thema Ärztegesundheit und Psychohygiene, in denen die angehenden Ärzt/e/innen auch über die Substanzabhängigkeit aufgeklärt und für den verantwortungsbewussten Umgang hiermit sensibilisiert werden.
 
 
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